Erlebnis - Segeln im Wattenmeer

Konstruktion

Ausstattung | Die Segel | Der Skipper

Die Vorbilder der Ronja sind die bei den Blankeneser Fischern im 18. und 19. Jahrhundert gebräuchlichen flachbodigen, knickspantigen Pfahlewer.

“Von seinem pfahlartigen Mast, dem nur ein Vorstag und eine Pardune Halt gaben, erhielt dieser Ewertyp seinen Namen...Der Mast trug außer einer kleinen Fock ein – oft auch als Rahsegel bezeichnetes – Luggersegel, dessen vorderes Drittel den Mast überragte. Das Vorliek konnte beim Amwindkursen durch Bulienen zusätzlich durchgesetzt werden.” (1)

Beim Pfahlewer blieb das Segel stets auf der gleichen Seite des Mastes und nur der Hals wurde im luv festgesetzt.

Die größten dieser Pfahlewer waren 50 bis 55 Fuß (= 14,33 – 15,76 m) lang und an der breitesten Stelle 15 Fuß breit, verjüngte sich unten auf 8 Fuß. (1) s.13

Der Tiefgang ist mit 3 Fuß (= 0,86 m) angegeben.

Durch den geringen Tiefgang und den platten Boden konnten/können die Ewer die flachen Wattengebiete befahren und bei Ebbe trockenfallen.

Die Ewer waren mit einer sog. “Bünn” ausgestattet, die der Aufbewahrung und Konservierung des Fangs diente:

“In der Mitte dieses Fahrzeuges gibt es einen Raum, welcher beinahe den dritten Teil seines ganzen kubischen Inhalts ausmacht, und zum Aufbewahren der gefangenen Fische dient. Diese läßt dem Wasser durch den Boden eine vollkommene Freiheit, ein- und auszutreten, und verursacht also, daß ein solcher Ewer zum wenigsten um den dritten Theil tiefer geht, als sonst im Verhältnis seines kubischen Inhalts geschehen könnte.” (2)

Von anderen flachbodigen Schiffen unterschieden sich die Ewer durch die fast senkrecht stehende Kahnplanke, die den Rumpf – besonders im Bünnbereich – versteifte und die Abdrift verringerte. (s.u.)

Außerdem hing an beiden Seiten ein Schwert, das man jeweils an der Leeseite zusätzlich zur Verringerung der Abdrift abließ.

Durch diese konstruktionsbedingte Verringerung der Abdrift sowie der guten Stabilitätsverhältnisse, galt der an sich noch primitive Pfahlewer in seiner Zeit als sehr seetüchtig mit guten Segeleigenschaften.

(interessant, da sich um die Berechnung der Stabilitätsverhältnisse der Fahrzeuge im 19. Jahrhundert noch niemand kümmerte.)

Je nach vorrangigem Einsatzgebiet unterschied man im wesentlichen zwischen zwei Bautypen:

Der schlankere Ewer – der Seefischewer - hatte bei kleinerem Tiefgang, aber größerer Länge den größeren Seitenwiderstand und somit eine größere Kursstetigkeit, gegenüber dem im Verhältnis zur Länge breiteren Ewer, der widerum für die Küstenfischerei auf der Unterelbe besser geeignet war.

Vorbild für die “Ronja”  ist der schlanke Rumpf des Seefischewers (um 1800) mit dem charakteristischen “Doppelknick” im  Querschnitt: die Kahnplanken stehen bei dieser Bauart fast senkrecht auf dem Boden. “Daran schließen sich die Kimmplanken mit einer so starken Neigung an, daß an der Übergangsstelle von der Kahnplanke zur Kimmplanke ein scharfer Knick entsteht. An die Kimmplanken sind dann wieder mehr oder weniger senkrecht das stärkere Bergholz und die schwächeren Oberplanken angebracht ... Beim seitlichen Abtreiben entsteht durch den Knick von Kahnplanke-Kimmplanke ein Wirbelgebiet, das der Fortbewegung querschiffs hinderlich ist.” (3)

Die “Ronja” wurde abweichend vom Original mit durchlaufendem Deck, einem Spiegelheck und einer 90 PS-Maschine gebaut. Neben der charakteristischen Form des Pfahlewers wurde auch das hohe, schmale Luggersegel und die kleine Fock beibehalten. Die Takelung erscheint dadurch ungewöhnlich und primitiv, verspricht aber gut “Am-Wind-Eigenschaften”.

Maße der "Ronja":
Länge ü.a. 15,0 m
Breite 4,6 m
Tiefgang 1,0 m
Segelfläche 90,0 qm

Literaturangaben:

(1) Jobst Broelmann und Timm Weski, Ewer Maria, Deutsches Museum und Urbes Verlag, 1992

(2) Bericht des  Regierungs- und Obergerichtsadvokat Schrader aus Pinneberg in den Schleswig-Holsteinischen Provinzialberichten, 1787

(3) G. Timmermann, Vom Pfahlewer zum Motorkutter, Westliche Berliner Verlagsgesellschaft H.Heenemann KG, Berlin-Wilmersdorf, 1957